Engel auf den Feldern

Vor einem strahlenden, hellblauen Himmel sitzt ein Mensch in einem Tripod. Die Person ist dunkel gekleidet, vermummt und trägt einen Klettergurt. Am Tripod ist eine Rettungsdecke befestigt, von der überwiegend die goldene Seite zu sehen ist, sie scheint im Wind zu flattern. Über dem Tripod sind am Himmel 2 weiße Kondensstreifen zu sehen, die sich kreuzen und dadurch aussehen wie ein liegendes X. Rechts unten steht in weißer Schrift "Engel auf den Feldern". Darunter "Bilder und Texte aus Lützerath und darüber hinaus. Barbara Schnell und Mica Jacobs".

When

30. August 2025    
14:00 – 15:00

Where

Schwalbenhof
Berverath 2, Erkelenz, 41812

Event Type

Für mich waren Engel Metaphern für die besseren Menschen, die jeder in sich trägt und die wir gerne wären, wenn wir nicht immer vom Weg abkämen, und auf eine gewisse Art sind Engel auch die Kinder, die wir in uns behalten haben.

— Wim Wenders, Regisseur „Der Himmel über Berlin“

Am 22. Juli 2020 blockierte eine Gruppe junger Aktivist:innen den Abtransport der Trümmer einer von RWE abgerissenen Landstraße am Braunkohletagebau Garzweiler. Um das Geschehen in sicherem, aber auch sichtbarem Abstand beobachten zu können, meldeten Menschen vor dem Örtchen Lützerath eine Mahnwache an. Zwei Campingstühle, ein Sonnenschirm, so fing an, was im Lauf der nächsten zweieinhalb Jahre zu einem komplett besetzten Dorf heranwuchs, in dem zivilgesellschaftlicher und aktivistischer Widerstand gemeinsame Wege fanden.
Die Krefelder Autorin und Fotografin Barbara Schnell begleitete die Utopie Lützerath vom ersten bis zum letzten Tag mit der Kamera und berichtete in der Frankfurter Rundschau darüber.
Ein Jahr nach der Räumung und Zerstörung des Ortes kam ihr die Idee, der zunehmenden Kriminalisierung von Menschen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung das Bild der „Engel auf den Feldern“ entgegenzusetzen, inspiriert durch einen Aktivisten, der am Ewigen Licht der dem Bagger geweihten Pfarrkirche von Keyenberg eine Kerze entzündete und sie über nächtliche Felder nach Lützerath trug.
Auf 232 Seiten mit über 400 Fotos gestaltete die Illustratorin Mica Jacobs ein „Lützi-Alphabet“ mit Texten von „A wie Anfang“ bis „Z wie Zusammen“; Aktivist:innen steuerten (selbst)kritische Texte zu „B wie Barriere“ oder „V wie Versorgungssicherheit“ bei und stellten Gedichte und Theaterstücke zur Verfügung; ein Kapitel über „C wie Corona“ fehlt genau so wenig wie ein Beitrag über „K wie Kompostklos“ und die, die sie benutzbar hielten.
Es entstand ein Buch über die Vielfalt – und die Unvollkommenheit – des Widerstands in Lützerath, der bis heute weit über das Rheinische Revier hin leuchtet.

Die Dimension, die der Engel bewohnt, ist die Utopie …

— Thomas Palzer, Autor, im Deutschlandfunk